Jenseits von Vibe Coding: Warum ich kein Softwareentwickler bin
Neulich hatte ich ein sehr spannendes Gespräch. Mein Gegenüber ist extrem clever und durchdringt komplexe Business-Logik mit absoluter Leichtigkeit. Er fragte mich, ob es mich eigentlich stört, dass KI heute den Code schreibt. Ob es mich nicht obsolet macht, wenn jemand wie er jetzt einfach Enterprise-Software per Vibe Coding zusammenbauen kann, ohne tiefere Programmierkenntnisse zu haben.
Meine Antwort war ein klares Nein. Ganz im Gegenteil. Ich nutze Vibe Coding mittlerweile selbst. Es macht Spaß, auch wenn es sich aktuell oft noch recht plump anfühlt.
Ich kann die Sorgen vieler Softwareentwickler in der heutigen Zeit absolut nachvollziehen. Der Beruf wandelt sich rasant. Mich persönlich trifft diese Sorge jedoch nicht, weil ich mich noch nie als reinen Softwareentwickler betrachtet habe.
Ich war schon immer mehr Problemlöser als Spezialist für ein isoliertes Fachgebiet. Meine eigentliche Stärke liegt darin, mit extrem wenig Informationen viele Annahmen gleichzeitig treffen zu können. Selbst wenn ein Problem am Anfang völlig unklar ist, kann ich es aus dem Kontext ableiten und ganzheitlich verstehen. Das beschränkt sich nicht auf Code, sondern umfasst die gesamte IT.
Als Tausendsassa waren meine Interessengebiete immer vielfältig und sie verschieben sich bis heute ständig. Ich lerne Dinge auf zwei Arten. Entweder durch absolute Freude oder durch echten Schmerz. Um mir diesen Kenntnisstand und diese Erfahrung aufzubauen, bin ich durch sehr viel Schmerz gegangen. Seit ich sechs oder sieben Jahre alt bin, sitze ich am PC. Spiele waren nie mein Fokus. Ich habe mich immer für die Mechanik dahinter interessiert.
Der Witz ist, dass ich nie der Megastar im Programmieren war. Ich habe bis heute keine einzige Programmiersprache gefunden, die ich wirklich liebe. Also habe ich einfach jede Programmiersprache gemacht. Das Ergebnis ist, dass ich heute jede Sprache mindestens im Read-Only Mode verstehe.
Genau diese Erkenntnis hat mich die letzten zwei Jahre stark beschäftigt. Wie definiere ich meine Rolle? Bin ich DevOps, Full Stack Entwickler oder Webentwickler? Alles traf irgendwie zu. Und doch war es immer mehr. Ich konzipiere die Angebote, ich berate, ich gestalte die Architektur und ich plane die Umsetzung.
Wer am Ende den Code generiert, ist zweitrangig. Ob das ein Junior Developer oder ein cleverer Business-Kopf mit einer KI ist, spielt keine Rolle. Wichtig ist, wer das Problem versteht, die Lösungen ableitet und das Spielfeld aufbaut. Deshalb trage ich auf dieser Seite ganz bewusst den Titel End-to-End Solutions Architect.